Krähenfüße, Hexenschuss, Hühneraugen – manche Körperphänomene klingen wie aus einem alten Märchenbuch. Doch hinter diesen volkstümlichen Begriffen stecken echte Beschwerden, genaue anatomische Beobachtungen und manchmal ein ganzes Stück Kulturgeschichte.
Krähenfüße: wenn Vogelkrallen auf die Haut übertragen werden
Die feinen, fächerförmigen Fältchen an den äußeren Augenwinkeln tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Wer genau hinschaut, erkennt tatsächlich die Ähnlichkeit mit dem leichten Abdruck einer Vogelkralle. Krähenfüße entstehen, weil die Haut rund um die Augen besonders dünn und das darunterliegende Fettgewebe weniger ausgeprägt ist als anderswo. Mit der Zeit – und besonders durch häufiges Lachen, Blinzeln und Sonnenlicht – entstehen diese charakteristischen Linien. Sie sind ein natürlicher Ausdruck des Lebens.
Hühneraugen: Druck auf kleiner Fläche
Medizinisch heißen sie Clavus, aber im Volksmund haben sie sich als Hühneraugen durchgesetzt – wegen der kreisrunden, kleinen Struktur, die in der Mitte einen harten Kern zeigt, ähnlich dem Auge eines Huhns. Hühneraugen entstehen durch anhaltenden Druck und Reibung an den Zehen, meist ausgelöst durch zu enges Schuhwerk. Die Haut reagiert mit Hornbildung – ein Schutzreflex, der auf Dauer schmerzhaft werden kann. Gut ausgeformte Einlagen und passendes Schuhwerk helfen, die Entstehung zu verhindern.
Hexenschuss: Mittelalter trifft Bandscheibe
Der Hexenschuss gehört wohl zu den plastischsten Begriffen der Volksmedizin. Der blitzartige, kaum auszuhaltende Schmerz im unteren Rücken galt im Mittelalter als Zeichen, dass eine Hexe ihren unsichtbaren Pfeil abgefeuert hatte. Heute wissen wir: Wirbel können sich blockieren oder Bandscheiben kurzzeitig einklemmen – und das erzeugt genau diesen plötzlichen, stechenden Schmerz. Wärme, Bewegung und in vielen Fällen physiotherapeutische Übungen sind die modernen Antworten auf die mittelalterliche Hexerei.
Noch mehr kuriose Körpernamen
Die Liste der volkstümlichen Körperbegriffe ist lang: Der Storchenbiss, ein rötliches Muttermal am Nacken oder Hinterkopf, soll entstanden sein, weil der Storch das Neugeborene im Schnabel getragen hat. Orangenhaut beschreibt die wabelige Textur der Haut bei Zellulite – benannt nach der ähnlichen Schale einer Orange. Und der Schnappfinger, medizinisch Tendovaginitis stenosans, entsteht, wenn eine Sehnenscheide sich verengt und der Finger beim Strecken hörbar einschnappt.
Mehr als nur kurios: Hinweise auf echte Beschwerden
Was als Schmunzler beginnt, kann manchmal auf echte gesundheitliche Veränderungen hinweisen. Krähenfüße sind harmlos, Hühneraugen lassen sich behandeln, und ein Hexenschuss ist zwar schmerzhaft, aber meist gut therapierbar. Wer Veränderungen am Körper bemerkt, die ungewöhnlich sind oder schmerzen, sollte sie ärztlich abklären lassen.
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