Ein Welpe zieht ein – und mit ihm jede Menge Freude, Trubel und Fragen. Zwischen tapsigen Pfoten und großen Hundeaugen beginnt für dich und deinen kleinen Vierbeiner eine ganz besondere Zeit. Alles ist neu, alles ist aufregend. Und genau jetzt legst du den Grundstein für eure gemeinsame Zukunft.
Beziehung vor Erziehung
Sitz, Platz, Bleib? Klar, das steht bei vielen frischgebackenen Hundehalterinnen und -haltern ganz oben auf der Liste. Doch Hundetrainer André Vogt sieht das gelassener. „Kommandos sind erst einmal zweitrangig“, sagt er. In den ersten Wochen geht es nicht um perfekte Ausführung, sondern um Vertrauen. Oder wie er es ausdrückt: Beziehung vor Erziehung.
Dein Welpe muss sich erst einmal zurechtfinden. Neue Gerüche, neue Geräusche, neue Menschen – selbst der Alltag in deiner Wohnung ist für ihn eine völlig unbekannte Welt. Jetzt braucht er vor allem Zeit, Sicherheit und einen verlässlichen Rahmen.
Ankommen im Welpenzimmer
„Ein Welpe braucht 20 bis 22 Stunden Ruhe am Tag.“ Was im ersten Moment erstaunlich klingt, ist für das junge Hundegehirn enorm wichtig. Jeder Reiz, jedes Erlebnis will verarbeitet werden. Zu viel auf einmal überfordert schnell.
Hilfreich ist deshalb ein klarer, ruhiger Ort – eine Art abgegrenztes „Welpenzimmer“ im Wohnbereich. Eine gemütliche Decke, ein Wassernapf, ein geschützter Rahmen. Dein Hund bekommt alles mit, was um ihn herum passiert, ohne ständig mittendrin zu sein. So entsteht Sicherheit.
Und dann kommt etwas, das vielen schwerfällt: bewusst nichts tun. André Vogt nennt es „aktives Ignorieren“. Sprich deinen Welpen nicht permanent an, animiere ihn nicht ständig. Wenn du ihm zeigst, dass Ruhe ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, lernt er genau das – zur Ruhe zu kommen.
Gassi gehen: kleine Abenteuer
Draußen wartet eine spannende Welt. Doch auch hier gilt: weniger ist mehr. Beim Welpen geht es nicht um Auslastung. Lange Spaziergänge oder ständig neue Orte sind zu viel. Kurze Wege, vertraute Plätze und ausreichend Pausen helfen deinem Hund, Eindrücke in seinem Tempo zu verarbeiten.
Für die Stubenreinheit empfiehlt André Vogt einen festen Toilettenplatz. Zu viele neue Gerüche lenken ab – und dann passiert das Malheur womöglich erst wieder zu Hause. Ein klarer Ort schafft Orientierung.
Auch bei Hundebegegnungen ist Zurückhaltung sinnvoll. Das Risiko für schlechte Erfahrungen ist größer, als viele denken. Wenn möglich, sollte dein Welpe nur auf gut sozialisierte, am besten bekannte Hunde treffen. Qualität geht vor Quantität.
Früh ungesichert laufen zu lassen, hält Vogt ebenfalls für problematisch. Welpen treffen schnell eigene Entscheidungen – und nicht jede davon möchtest du später beibehalten. Ein gut sitzendes Geschirr und eine leichte Trainingsleine geben euch beiden Sicherheit.
Viel wichtiger als jedes Kommando ist die Orientierung an dir. Wenn dein Welpe von sich aus zu dir schaut, ist das ein besonderer Moment. Bestätige diese zaghaften Blicke. So versteht er nach und nach: Bei meinem Menschen bin ich richtig.
Spielen mit Maß und Nähe
Natürlich gehört Spielen dazu. Doch auch hier braucht es Balance. Spielzeug sollte nicht dauerhaft herumliegen, sondern bewusst eingesetzt werden. Ständiges Werfen, damit dein Hund apportiert, sieht harmlos aus, kann ihn aber sehr aufdrehen. Selbst das klassische Stöckchenwerfen kann ihn nervös machen und immer mehr Action einfordern.
Ruhige Schnüffelspiele sind eine schöne Alternative. Wenn dein Welpe seine Nase einsetzen darf, arbeitet sein Kopf – und das macht angenehm müde. Neben aller Beschäftigung bleibt eines besonders wichtig: Nähe. Kuscheln, gemeinsam zur Ruhe kommen, einfach beieinander sein. Das stärkt eure Bindung im Alltag.
Gemeinsam lernen in der Hundeschule
Eine gut geführte Hundeschule kann euch wertvolle Impulse geben. Ideal ist es, wenn die Gruppen nach Größe, Alter und Temperament zusammengestellt sind. Freies Spiel darf sein, aber in Maßen. Drei bis fünf Minuten Toben reichen völlig, danach kehrt wieder Ruhe ein.
Anschließend stehen gemeinsame Übungen an: über unterschiedliche Untergründe laufen, einen Tunnel durchqueren, Neues entdecken – immer zusammen mit dir. So wächst Vertrauen Schritt für Schritt.
Kleine Schritte zu Sitz, Platz und Bleib
Auch die Grundkommandos dürfen langsam dazukommen. Für „Sitz“ hältst du ein Leckerchen über den Kopf deines Hundes, bis er sich setzt. Bei „Platz“ bleibt die Belohnung in deiner geschlossenen Hand, der Handrücken zeigt nach oben. Sobald dein Hund liegt, darf er fressen.
„Bleib“ entsteht in kleinen Etappen. Erst nur ein paar Sekunden stehen bleiben, dann langsam steigern. Dein Hund lernt, kurz zu warten – und mit der Zeit auch länger auszuharren.
All das gelingt nicht über Nacht. Doch mit Geduld, klaren Ritualen und einem geregelten Tagesablauf gibst du deinem Welpen genau das, was er jetzt braucht: Orientierung, Sicherheit und das Gefühl, angekommen zu sein.
Jetzt bist du dran! Wie hast du die erste Zeit mit deinem Welpen erlebt und was hat euch geholfen, Vertrauen aufzubauen? Teile deine Erfahrungen und Gedanken auf Social Media unter #Best2yuCommunity und inspiriere andere auf ihrem Weg mit ihrem kleinen Vierbeiner.




