Kennst du dieses Gefühl, ständig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen? Frühstücken und nebenbei E-Mails beantworten, telefonieren beim Kochen oder noch schnell durch Social Media scrollen, während der Fernseher läuft. Multitasking wirkt wie ein Talent unserer Zeit – effizient, dynamisch, leistungsstark. Doch was, wenn genau dieses Dauer-Jonglieren dein Gehirn mehr stresst, als dir lieb ist?
Multitasking – wirklich so effizient, wie wir glauben?
Aufgaben schnell abhaken, am besten parallel – das klingt nach Produktivität pur. Lange galt Multitasking als Zeichen mentaler Fitness. Wer mehrere Dinge gleichzeitig schaffte, wurde bewundert. Und wer sich bewusst nur einer Sache widmete, wirkte fast ein wenig langsam. Doch dieses Bild hat Risse bekommen. Immer mehr Studien zeigen: Multitasking ist kein Ausdruck besonderer Leistungsfähigkeit, sondern eher ein Mythos.
Ob beim Autofahren mit Podcast im Ohr, beim Fernsehen mit dem Smartphone in der Hand oder beim Kochen während eines Telefonats – dieses Nebeneinander von Aufgaben ist für viele ganz normal geworden. Es betrifft nicht nur Menschen mit anspruchsvollen Jobs, sondern unseren Alltag insgesamt. Und genau hier beginnt die Herausforderung für unser Gehirn.
Dein Gehirn ist kein Computer
Der Begriff „Multitasking“ stammt ursprünglich aus der Informatik. Computer können mehrere Programme gleichzeitig ausführen. Lange dachte man, unser Gehirn könne das ebenfalls – besonders das weibliche. Doch beides stimmt so nicht.
Hirnforscher sind sich einig: Komplexe Aufgaben können wir nicht parallel erledigen. Stattdessen setzt unser Gehirn Prioritäten. Es schiebt weniger Wichtiges in den Hintergrund – etwa den Podcast beim Autofahren – oder es springt blitzschnell zwischen Aufgaben hin und her. Diese Wechsel, sogenannte Task-Switches, dauern zwar nur Sekunden, aber sie kosten Kraft.
Oft merken wir diese ständigen inneren Sprünge gar nicht bewusst. Dennoch rauben sie Energie und mindern Konzentration und Aufmerksamkeit. Studien zeigen sogar, dass diese geteilte Aufmerksamkeit vergleichbar sein kann mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr unser Denken darunter leidet. Unterschiede zwischen Frauen und Männern wurden dabei übrigens nicht festgestellt.
Wenn dein Gehirn im Alarmmodus läuft
Ständiges Multitasking bedeutet für dein Gehirn Dauerbelastung. Es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, der Körper schaltet in einen Alarm- und Fluchtmodus. Ein uralter Mechanismus, der uns einst vor realen Gefahren schützte. Heute reicht oft schon das „Ping“ einer neuen Nachricht, um diesen Reflex auszulösen.
Dein Gehirn unterscheidet dabei nicht, ob es sich um einen Säbelzahntiger oder eine eingehende E-Mail handelt. Die Folge: Die Fehlerquote steigt, die innere Anspannung nimmt zu. Auf Dauer kann dieser Stress in ein Burn-out münden. Untersuchungen zeigen zudem, dass Multitasking zumindest vorübergehend die geistige Leistungsfähigkeit senkt. In einer Studie sank der IQ von Teilnehmern um zehn Punkte, wenn sie gleichzeitig ein Gespräch führten und eine E-Mail schrieben.
Das macht deutlich: Multitasking fühlt sich vielleicht produktiv an, tatsächlich bringt es unser Denken jedoch aus dem Gleichgewicht.
Eins nach dem anderen – eine echte Entlastung
Was also tun? Die einfachste und zugleich wirkungsvollste Antwort lautet: eine Aufgabe nach der anderen. Klingt simpel, ist im Alltag aber oft eine bewusste Entscheidung. Gerade in einer Zeit, in der alles gleichzeitig verfügbar ist, braucht es Klarheit.
Hilfreich kann zum Beispiel die Pomodoro-Technik sein. Dabei stellst du dir einen Timer auf 25 Minuten und widmest dich ausschließlich einer einzigen Aufgabe. Danach folgen fünf Minuten Pause. Diesen Ablauf wiederholst du drei Mal, bevor du eine längere Pause einlegst. Diese Struktur kann deinem Tag und deinem Kopf spürbar mehr Ruhe geben.
Auch die bewusste Trennung von digitalen und analogen Momenten kann entlasten. Iss in Ruhe, ohne nebenbei Nachrichten zu checken. Schalte dein Smartphone zwischendurch auf lautlos, unterdrücke Push-Nachrichten und lege feste Zeiten für digitale Aktivitäten fest. Denn so selbstverständlich es geworden ist – wir können nicht gleichzeitig fernsehen und Radio hören. Warum also erwarten wir das von unserem Gehirn?
Wenn du dir erlaubst, Dinge nacheinander zu tun, schenkst du dir selbst mehr Klarheit und deinem Gehirn eine wohlverdiente Pause. Weniger gleichzeitige Reize bedeuten oft mehr Fokus, mehr Gelassenheit und ein angenehmeres Gefühl am Ende des Tages.
Jetzt bist du dran! Wie erlebst du Multitasking in deinem Alltag – als hilfreiche Gewohnheit oder als versteckten Stressfaktor? Teile deine Erfahrungen und Gedanken auf Social Media unter #Best2yuCommunity und lass uns gemeinsam darüber sprechen, wie wir bewusster mit unserer Aufmerksamkeit umgehen können.




